
Diana Wohlrath
Der Feuerthron
544 Seiten
ISBN: 978-3-446-23093-4
EUR € 17,90
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Mera und Girdhan leben im Gasthaus "Zum blauen Fisch". Es gehört Meras Mutter Meraneh und ist die größte und beliebteste Taverne im Fischersechstel von Ilynrah, denn Meraneh ist für ihr gutes Bier und vor allem für ihre ausgezeichneten Fischgerichte bekannt. Aus diesem Grund nehmen auch Gäste aus den besseren Sechsteln Ilynrahs den Weg über die wackelige Seilbrücke in Kauf, die den Blauen Fluss überspannt.
Das Gebäude ist einstöckig und auf einer steinernen Grundmauer im Fachwerkstil erbaut. Sein Dach ist, eine Seltenheit im Fischersechstel, mit teuren, blauen Ziegeln gedeckt. Die Gaststube bietet bequem Platz für 36 Gäste, doch wenn die Fischer auf den Sitzbänken ein wenig zusammenrücken, gehen auch mehr Leute hinein. Tische und Bänke sind gute Schreinerarbeit, ebenso die Holzvertäfelung der Wände und der Decke. Auch der Fußboden besteht aus Holz. Die Eingangstür geht auf die Hauptstraße des Sechstels hinaus. Ihr gegenüber am anderen Ende der Gaststube befinden sich der Schanktisch mit dem Bierfass und ein Wasserschaff, um die Krüge auszuspülen. Diese werden in einem Gestell an der Wand aufbewahrt und sind Meranehs ganzer Stolz, denn bessere Krüge besitzt nicht einmal der Wirt der "Krone" im Palastsechstel.
Hinter dem Schanktisch führt eine Tür in die Küche, Meranehs eigentlichem Reich. In diesem großen, steingepflasterten Raum bereitet sie die besten Goldgarnelen zu, die es in Ilynrah und weit darüber hinaus zu finden gibt. Neben der Küche liegt der Vorratsraum, von dem aus eine Falltür in den ersten Gewölbekeller führt, in dem Meraneh ihre Fische und Meeresfrüchte kühl lagern kann. Anschließend kommt die Kammer, in der Girdhan, der Schankbursche, schläft.
Weiter den langen Flur entlang, der von der Gaststube bis zur Hintertür führt, stößt man auf Meranehs Braustube, in der sie die Maische in hölzernen Bottichen ansetzt und ihr Bier in einem großen, kupfernen Kessel braut. Auch hier führt eine Falltür in einen Gewölbekeller, der allerdings um einiges größer ist als der vordere Keller, denn hier bewahrt Meraneh die Fässer mit dem fertigen Bier auf.
Jenseits des Flures schließt sich an die Gaststube eine Abstellkammer an, die für Mera und Girdhan, als sie noch kleiner waren, wahre Schätze barg. Hier stehen Sachen, die Meraneh nicht mehr braucht, aber auch nicht direkt wegwerfen will.
Neben der Abstellkammer liegt Meras Schlafzimmer und daneben die ihrer Mutter Meraneh und ihrer Großmutter Merala, einer bekannten Wetterfühlerin. Den Abschluss auf dieser Gebäudeseite macht schließlich der Waschraum, in dem von der Wäsche über schmutziges Geschirr bis hin zu den Bierfässern alles gewaschen wird. Auch die Bewohner des Hauses waschen sich dort. Die Toilette hingegen befindet sich in einem separaten kleinen Gebäude hinter dem Haus.
Für Mera und Girdhan war diese kleine, überschaubare Welt ihre Heimat, bis ihr großes Abenteuer begann.
Mera ist die Tochter Meranehs, der Wirtin des Gasthauses "Zum blauen Fisch". Vor kurzem ist sie 14 Jahre alt geworden, und sie hilft bereits eifrig mit. Daher hat sie nicht mehr so oft Zeit, mit ihren Freunden Girdhan und Kip durch das Umland zu streifen, im Meer schwimmen zu gehen, oder mit selbst gebastelten Booten auf dem Blauen Fluss oder der Bucht von Ilynrah zu segeln.
Für ein Mädchen ihres Alters ist Mera mittelgroß, dazu schlank und sie besitzt ein leicht rundliches Gesicht und dunkelblaue Augen. Ihr besonderer Stolz sind ihre dunklen Haare, die mehrere natürliche blaue Strähnen aufweisen. Dies gilt als besonderes Zeichen der Göttin Ilyna, die in Ilyndhir verehrt wird. Ilynas Farbe ist blau, und so verwundert es nicht, dass diese Farbe in Ilynrah vorherrscht. Auch Mera trägt meistens Kleider in verschiedenen Blautönen. Zum Beispiel besteht ihr Festtagskleid aus einem hellblauen Unterhemd, einer hellblauen Bluse sowie einem wadenlangen, himmelblauen Rock und einem dunkelblauen Mieder. Auch ihre guten Schuhe sind blau gefärbt. Zu Ehren der Göttin bemalt sie an Feiertagen ihre Handrücken und ihr Gesicht mit blauen Symbolen.
Zumeist aber schlüpft sie in ein blaugraues Unterhemd und ein einfaches, dunkelblaues Hängekleid und zieht schlichte Schuhe an. Die Farben Weiß, Gelb oder Grün verwendet sie ebenso wie die anderen Ilyndhirer niemals. Sie gelten als unheimlich, ja sogar feindlich, und jemand, der in einem grünen Gewand durch Ilynrah gehen würde, müsste mindestens mit einer derben Tracht Prügel oder einem unfreiwilligen Bad im Blauen Fluss rechnen.
Girdhan ist der Schankbursche im "Blauen Fisch". Obwohl er auf der Insel Ilyndhir geboren wurde, stammt seine Mutter von Girdania. Dort lebt ein anderer Menschenschlag als auf Ilyndhir, und so ist Girdhan mit seinen gerade mal 13 Jahren bereits größer als viele einheimische Männer und stärker als die meisten von ihnen. Er ist ziemlich breit gebaut und hat eine leicht vorspringende Kinnpartie mit kräftigen Zähnen. Seine unteren Eckzähne sind länger als die der Menschen auf Ilyndhir und weisen darauf hin, dass die Girdanier mit dem Volk von Gurrland verwandt sind. Seine Haare und seine Augen sind schwarz, und seine Haut etwas dunkler getönt als die der Ilyndhirer.
Girdhan ist ein ruhiger, besonnener Junge, und so zuverlässig, dass selbst Meraneh, die ihn nach dem frühen Tod seiner Mutter aufgezogen hat, sich manchmal darüber wundert. Die Arbeit, die ihm aufgetragen wird, erledigt er stets zu ihrer Zufriedenheit und er macht von selbst oft mehr, als man von ihm fordert. Sein Freund Kip hänselt ihn deswegen immer ein wenig, doch auch er zieht ebenso wie Mera Girdhans Freundschaft der aller anderen Jungen und Mädchen im Fischersechstel vor.
Kip ist ebenfalls 13 Jahre alt und der nachgeborene Sohn eines Fischers. Für sein Alter ist er nicht besonders groß - Girdhan überragt ihn um mehr als Haupteslänge – dazu ist er mager und wieselflink. Außerdem ist er für jeden Unsinn zu haben. Früher konnte er mit Mera und Girdhan spielen und herumstreifen, doch inzwischen ist es sein Traum, einmal ein eigenes Fischerboot zu besitzen. Da er aber nur der Letzte einer ganzen Reihe von Brüdern ist, nimmt sein Vater ihn nur dann mit zum Fischen, wenn mehr als ein Bruder durch Krankheit oder Verletzung ausfällt. Aus diesem Grund muss Kip zusehen, ob nicht ein anderer Fischer eine Aushilfe braucht und ihn mitnimmt, damit er ein paar Kupferringe verdienen kann. Meist lässt sich der Nachbar Hannez breitschlagen.
Seit einigen Wochen repariert Kip das Boot eines anderen Fischers, das vom Sturm auf die Klippen geschleudert und von seinem Besitzer aufgegeben worden ist. Irgendwann, so hofft er, wird er damit auf Fang gehen und fässerweise Goldgarnelen nach Hause bringen. Als Steuermann hätte er am liebsten Girdhan, doch dafür hängt dieser zu sehr an Meraneh, Mera und dem "Blauen Fisch".
Hekendialondilan stammt nicht von Ilyndhir, sondern von der geheimnisvollen Insel Runia, die seit fast 1000 Jahren kein Mensch mehr betreten hat. In den bisherigen 300 Jahren ihres Lebens hat Hekendialondilan daher auch noch nie einen Menschen gesehen. Anders als die erwachsenen Runi ist sie jedoch sehr daran interessiert, Neues kennen zu lernen. Dabei helfen ihr ihre besonderen Fähigkeiten, denn anders als bei Menschen, bei denen nur selten magisch begabte Kinder geboren werden, besitzt jeder Runi diese übernatürlichen Kräfte von Geburt an. Aufgrund dieser Tatsache ist die magische Farbe eines Runi sofort zu erkennen. Diese ist im Gegensatz zu dem Blau der Ilyndhirer und dem Schwarz der Girdanier weiß, denn die Runi zählen zu den Anhängern des weißen Gottes Meandir.
Haut und Haare, ja selbst die Augen der Runi, sind weiß. Auch Hekendialondilan macht hier keine Ausnahme. Sie ist etwas kleiner als Mera, sehr schmal gebaut und besitzt lange, bewegliche Ohren, die oben spitz auslaufen. Im Gegensatz zu den älteren Runi, die sich bei ihrer Kleidung auf die Farbe Weiß beschränken, trägt Hekendialondilan auch noch die befreundeten Farben Gelb und Grün.
Careela stammt ebenfalls nicht von Ilyndhir, sondern von den ardhunischen Inseln. Da diese aber bereits kurz nach ihrer Geburt von den Truppen Gurrlands besetzt worden sind, ist sie auf Gelonda aufgewachsen. Die Bewohner Gelondas sind eigentlich Anhänger des gelben Gottes Talien und damit Farbfeinde der Violetten der Ardhunier, doch der gemeinsame Feind machte die beiden Völker zu Verbündeten.
Careela ist 15 Jahre alt und hat einen gewissen Babyspeck auf den Rippen. Ihr Gesicht trägt sie meistens violett geschminkt - auch ihre Kleidung, lange, wallende Röcke und Blusen sind von dieser Farbe. Die violetten Spitzen ihrer Haare sind jedoch natürlichen Ursprungs. Da Careela den Anspruch erhebt, in direkter weiblicher Linie von der violetten Göttin Linirias abzustammen, ist sie sehr von sich eingenommen. Zudem ist sie die Schwester der Fürstin ihres Volkes, was ihren Stolz ebenfalls steigert.
Meraneh ist Meras Mutter und die Wirtin des Gasthauses "Zum Blauen Fisch" im Fischersechstel von Ilynrah. Sie braut eines der besten Biere in der Stadt, aber vor allem ist sie für ihre ausgezeichneten Fischgerichte berühmt. Diese sollen nach Ansicht von Leuten, die es wissen müssen, selbst die Kreationen des Hofkochs der Königin übertreffen. Aus diesem Grund kommen auch Leute aus den besseren Sechsteln der Hauptstadt in den "Blauen Fisch".
Meraneh ist von mittlerer Größe, leicht untersetzt und hat ein rundes Gesicht. Ihr Alter beträgt etwas mehr als 40 Jahre, doch sie sieht jünger aus. Auch wird sie wegen ihrer freundlichen Art von den Gästen geschätzt, besonders von den Fischern, die jederzeit bei ihr anschreiben lassen können. Dafür überlassen die Männer ihr stets den frischesten und besten Teil ihres Fangs.
Meranehs Ehemann war ein erfolgreicher Fischer, doch die Aussicht auf einen großen Fang von Goldgarnelen ließ ihn die Sturmwarnung seiner Schwiegermutter in den Wind schlagen, und so versanken er, seine Mannschaft und sein Boot im Meer. Meranehs jetziger Verehrer ist der Fischer Hannez, der jedoch ebenso wie sie zu kämpfen hat, um über die Runden zu kommen. Seit der Stadtpräfekt Graf Hemor den Edelmann Berrell als neuen Steuerschätzer im Fischersechstel eingesetzt hat, wurden die Steuern mehrfach drastisch erhöht, so dass Meraneh trotz ihres guten Umsatzes kaum mehr etwas verdient.
Merala ist Meranehs Mutter und Meras Großmutter. Sie stammt jedoch nicht aus dem Fischersechstel, sondern ist vor etwa fünf Jahrzehnten hier zugezogen und hat den "Blauen Fisch" bauen lassen. Früher gab es deshalb Gerede um sie, doch mittlerweile zählt sie zu den beliebtesten Bewohnern des Sechstels. Die alte Frau ist eine ausgezeichnete Wetterfühlerin und konnte mit ihren Sturmwarnungen schon vielen Fischern das Leben retten. Nur der eigene Schwiegersohn hat diese Warnungen einmal mit schrecklichen Konsequenzen missachtet. Merala sieht aus wie eine Greisin von etwa achtzig Jahren, doch umgibt sie ein Geheimnis, das nur wenige kennen. Bei ihren Nachbarn gilt sie als fromme Frau, da sie jedes Mal, wenn sie außer Haus geht, Gesicht, Haare und Handrücken in der Farbe der großen Göttin Ilyna, nämlich blau, färbt, während die anderen das nur am Ilynastag und an Feiertagen machen.
Noch etwas Eigenartiges gibt es über Merala zu berichten. Sie besitzt ein Haustier, das es auf der Insel Ilyndhir und weit darüber hinaus nur einmal gibt. Es heißt Timpo, ist etwas größer als eine Ratte, besitzt kräftigere Schneidezähne, aber keinen Schwanz, und nagt Türen aus hartem Holz durch, wenn man es von seiner Herrin trennt. Meistens sitzt Merala auf einem Schemel neben dem Schanktisch des "Blauen Fischs", spinnt dort Wolle oder streichelt ihren Timpo, und verfällt von Zeit zu Zeit in eine Trance, in der sie Stürme voraussagt.
Bei Hannez handelt es sich um einen Fischer mittleren Alters, der von Jugend an mit seinem Boot auf das Meer hinausgefahren ist, um Fische und Goldgarnelen zu fangen. Er ist ein Mann mittlerer Größe, hat dunkle Haare und blaue Augen, und ist in die Witwe Meraneh verliebt. Mehr noch als die anderen Fischer übergibt er ihr die besten Teile seines Fangs, bevor der Rest auf dem Fischmarkt angepriesen wird, und er hilft gelegentlich im "Blauen Fisch" aus. Hannez war der beste Freund von Meranehs Ehemann, und hat verzweifelt versucht, diesen davon abzuhalten, in den Sturm hineinzusegeln, in dem er schließlich umgekommen ist. Er selbst hat noch nie eine Sturmwarnung von Merala missachtet, und ist daher immer unbeschadet zurückgekommen. Da er unverheiratet geblieben ist und auch keine Brüder hat, nimmt er des Öfteren Kip und gelegentlich auch Girdhan mit aufs Meer hinaus. Kip lernt von ihm, was ein guter Fischer wissen muss, und verdient sich ebenso wie Girdhan ein zusätzliches Taschengeld. Die beiden Jungen finden Hannez deswegen toll, während Mera nicht gerade begeistert davon ist, dass er ihrer Mutter den Hof macht.
Torrix ist der Hofmagier ihrer Majestät, Königin Ilnas V. Vor dieser diente er bereits ihrer Mutter und Großmutter als Hofmagier. Im Grunde ist er die mächtigste Person im Königreich Ilyndhir und dem Reich der Nördlichen Inseln, denn die Königin wagt nicht, gegen seinen ausdrücklichen Rat zu handeln. Der Magier ist etwas größer als der Durchschnitt, dabei aber hager und hat ein für einen Ilyndhirer untypisch schmales Gesicht. Seine Haare sind naturblau, ebenso seine Augen, die blauen Flammen gleichen, wenn er seine magischen Kräfte einsetzt, und sein Gesicht und die Handrücken sind von natürlichen blauen Linien gezeichnet, die so aussehen, als sei er tätowiert. Bekleidet ist Torrix meistens mit dem langen Magiertalar aus blauem Tuch. Wenn er, was selten genug geschieht, seinen Magierturm und den Palast der Königin verlässt, wirft er einen weiten, ebenfalls blauen Mantel über, und setzt einen Hut mit breiter Krempe auf.
Yanga ist die Stellvertreterin des Hofmagiers Torrix und nimmt den Posten des zweiten Magiers am Hof der Königin ein. Sie wird 'die zweite Hexe' genannt und ist viel jünger als ihr Meister. Dennoch wird sie von dem Ehrgeiz getrieben, die stärkste und mächtigste Hexe im ganzen Archipel zu werden. Aus diesem Grund ist sie bei den anderen Hexen und Adepten nicht sonderlich beliebt, und es gibt Stimmen, die behaupten, man hätte besser die Hexe Mirza an ihrer Stelle zu Torrix Vertreterin machen sollen.
Yanga ist schlank und wie die meisten Hexen zierlich gebaut. Die Form ihres Gesichts liegt zwischen rundlich und oval, und sie besitzt naturblaue Strähnen im Haar sowie Ansätze einer natürlichen blauen Zeichnung im Gesicht. Auch ihre Augen leuchten blau auf, wenn sie zaubert. Im Gegensatz zu Torrix legt sie Wert darauf, ihre Insignien als hochrangige Hexe auch im Alltag zu tragen, um damit ihre Stellung herauszustreichen. Daher sieht man sie selten anders als in einem langen, weiten Kleid aus blauer Seide, rot bestickter Stola, sowie der Brustplatte aus Rotgold mit den drei Saphiren ihres Ranges bekleidet. Auf dem Kopf trägt sie eine blaue Mütze mit einem breiten, roten Saum und einem hohen, blauen Federschmuck. Bei offiziellen Anlässen trägt sie sogar einen Umhang aus blauen Federn.
Ilna V. ist nicht nur die Königin der Insel Ilyndhir, sondern regiert in Personalunion auch die Insel Wardania und ist Lehensherrin der Insel Teren. Ihr Reich ist damit das Größte unter den Menschenreichen des Archipels. Von dieser Erkenntnis erfüllt, übt sie ihre Herrschaft aus und versucht gleichzeitig, die wohlmeinende Mutter ihres Volkes zu sein. So finden an ihren Geburtstagen überall große Feste statt, und in Ilynrah mischt sie sich sogar unter die Feiernden, um jene zu ehren, die sich während des Jahres Verdienste erworben haben. Ihre Majestät ist etwas mehr als 60 Jahre alt, sieht aber jünger aus, und regiert seit gut 15 Jahren ihr Reich. Im Lauf der Jahre ist sie etwas stattlich um die Taille geworden und liebt es daher mehr, ihre Sänfte oder ihre Staatsbarke zu benützen, als zu Fuß zu gehen.
Ihr hohes Amt fordert natürlich das entsprechende Erscheinungsbild. So kleidet Ilna V. sich stets dem Anlass angemessen. Entweder trägt sie ihre normale Königinnenrobe mit einem weiten, blauen Kleid, kurzem blauen Umhang und schlichtem Kronreif oder ihre Festgarderobe, die aus einem Kleid in verschiedenen Blautönen und roten Stickereien, einer ebenso verzierten Bluse, einem dunkelblauen Mieder und dem mit Saphiren und Rubinen geschmückten Königsmantel besteht. Dazu setzt sie ihre Doppelkrone als Herrin von Ilyndhir und Wardania auf, die als Zeichen ihrer Herrschaft über Teren außerdem mit einem weißen Diamanten besetzt ist. Dazu färbt sie sich Gesicht, Haar und Hände tiefblau.
Die engsten Berater der Königin sind ihr Hofmagier Torrix und Graf Hemor, der als Präfekt von Ilynrah für die Sicherheit der Hauptstadt und damit auch die ihrer Majestät verantwortlich ist.
Graf Hemor bekleidet den Rang eines Präfekten von Ilynrah und ist neben Torrix der engste Berater der Königin. Als Stadtoberhaupt unterstehen ihm sämtliche städtische Beamte, die Stadtmiliz und die königliche Garde. Der Graf weiß diese Verantwortung mit Würde zu tragen und überlässt es zumeist nachgeordneten Beamten, die anfallenden Probleme zu erledigen. Durch das Wohlleben am Hofe hat er etliches an Gewicht zugelegt. Da er für einen Ilyndhirer recht hochgewachsen ist, lässt ihn das plump erscheinen. Als Mann von Stand trägt er meistens hellblaue Kniehosen und einen langen, dunkelblauen Rock. Sein Haupt bedeckt eine Art Dreispitz, und seine blauen Schuhe besitzen hohe Absätze, die allerdings mehr für das Parkett des königlichen Palastes als für das Kopfsteinpflaster auf den Straßen Ilynrahs geeignet sind. In seiner Jugend war er ein geübter Bergkletterer und Jäger, und er vermag es hier immer noch mit manch jüngerem Mann aufzunehmen.
Berrell ist der Steuerschätzer des Fischersechstels von Ilynrah und damit der meistgehasste Mensch in diesem Stadtteil. Alle Bewohner haben den Verdacht, dass er sich bei der jährlichen Steuerfestsetzung ständig zu seinen eigenen Gunsten verrechnet. Beschwerden bei seinen Vorgesetzten haben jedoch nichts bewirkt, und daher sind die Bewohner des Fischersechstels weiterhin seiner Willkür ausgeliefert. Von Gestalt ist Berrell klein und dicklich. Er zählt zum Kleinadel, ahmt aber die Sitten der Hofgesellschaft nach und erscheint selten anders als in einem langen, blauen Rock, hellblauen Hosen und gleichfarbiger Weste. Meistens trägt er ein großes, blaues Schönheitspflaster auf der Wange und er bevorzugt Hüte in der Art eines Dreispitzes. Für die einfachen Leute in seinem Steuerbezirk hat er nur Verachtung übrig, was ihn aber nicht daran hindert, auf ihre Kosten gut zu leben.
Sie ist die Königin von Runia, jener geheimnisvollen Insel, die seit beinahe 1000 Jahren kein Mensch mehr betreten hat. Als einzige ihres Volkes verfügt sie über die Kraft, den Heiligen Baum, ohne den die Existenz der Runi erlöschen würde, am Leben zu erhalten. Diese Aufgabe lastet jedoch schwer auf ihren Schultern, und manchmal glaubt sie, sie nicht mehr bewältigen zu können. Wie alle Runi ist sie hoch gewachsen, aber sehr schlank mit einem schmalen Gesicht. Ihre Haare leuchten weiß, ebenso ihre Augen, und ihre Haut ist so hell wie die Blüten der Bäume des Runiwaldes. Als Kleidung genügt ihr ein langes, weißes Gewand, das um die Taille mit einer gedrehten Schnur gegürtet wird.
Sianderilneh ist Königin Menanderahs Kusine und deren engste Beraterin. Ihr Einfluss auf die Runi ist daher größer als der jeder anderen Person dieses Volkes. Nicht alle sind mit den Entscheidungen der hochgewachsenen, schlanken Frau einverstanden, doch gelingt es Sianderilneh immer wieder, die Königin davon zu überzeugen, dass sie Recht hat. Mit ihren geschickt gesetzten Argumenten beeindruckt sie einen Großteil der Runi, vor allem aber eine Schar ihr treu ergebener junger Leute, die ihr zu Gefallen alles tun würden. In ihrer Kleidung gibt sie sich schlicht. Eine ärmellose weiße Tunika und ein über den Rücken fallender Umhang reichen ihr. In einem Volk, in dem jeder den anderen kennt, braucht sie keine Symbole, um ihre Macht und ihren Einfluss hervorzuheben.
Hekerenandil stellt im Volk der Runi etwas Besonderes dar, denn sie ist die Mutter Hekendialondilans, des einzigen Kindes, das innerhalb der letzten tausend Jahre auf Runia geboren wurde. Hekerenandil besitzt große Kräfte, wenn auch nicht die Anlagen zur Königin. Aus beiden Gründen gilt ihr Wort etwas im Rat der Runi. Allerdings steht sie dabei im scharfen Widerspruch zu Sianderilneh, die daher stets versucht, Hekerenandils Einfluss so gering wie möglich zu halten. Hekerenandils Gestalt gleicht der der anderen Runifrauen; sie ist groß, aber so schlank, dass sie auf Menschen dünn wirken würde, und besitzt lange, bewegliche Ohren, die oben spitz zulaufen. Als Kleidung bevorzugt sie ein bequemes, wadenlanges Kleid aus einem weißen, seidenartigen Stoff.
Wie alle anderen Runi lebt Hekerenandil zusammen mit ihrer Tochter für sich allein in einem mehrere Hektar großen Hain, in dem verschiedenste Büsche, Sträucher und Bäume stehen, die das ganze Jahr über Früchte tragen. Sträucher liefern die feinen Fasern, die von den Runi zu Kleidern verarbeitet werden, dazu edle Hölzer sowie andere pflanzliche Rohstoffe für den täglichen Gebrauch. Obwohl es Runi gibt, die Metall zu verarbeiten wissen, begnügt Hekerenandil sich mit Besteck und Geschirr aus selbstgezüchteten Kristallen. Auch ihr Heim, das im Zentrum ihres Hains von den Ästen eines hohen Baumes getragen wird, besteht aus Kristall. Es sieht aus wie eine leicht abgeflachte Kugel und besitzt einen Durchmesser von etwa 10 Metern. Die Entfernung zum Boden beträgt etwa sechzig Meter, und die Krone des Baumes ragt noch weitere 40 Meter über das Haus hinaus. Zu diesem Haus führt ein frei schwebender Steg ohne jedes Geländer, da den Runi weder schwindlig wird noch sie je fehl treten.
In diesem Kristallgebäude, dessen Wände je nach Willen der Besitzerin durchsichtig oder milchig erscheinen können, lebt Hekerenandil zusammen mit ihrer Tochter. Im Zentrum des Kristallhauses befindet sich der Meditationsraum, in dem Hekerenandil die nötigen Zauber singt. Darum herum befinden sich auf zwei Stockwerken mehrere Kammern, die von den beiden Bewohnerinnen je nach Bedarf verwendet werden können. Unterschiede zwischen Ess-, Wohn- und Schlafzimmern gibt es keine. Ebenso sind in dem Haus kaum Möbel zu finden. Runi können im Stehen, Sitzen oder Liegen schlafen und brauchen kein Bett. Da Hekerenandil und Hekendialondilan kein Fleisch essen und ihre Mahlzeiten durch Magie zubereiten, ist auch keine Küche nötig.
Obwohl seit tausend Jahren Frieden herrscht und die Runi unter sich keine Verbrechen kennen, sind ihre Häuser und Haine nicht ohne Schutz. Alle Runi verstehen es, Abwehrzauber zu weben, und sie züchten Büsche, die stahlharte Dornen wie Pfeile verschießen können. Andere Bäume verfügen über lange, tentakelartige Äste, die sie wie Arme benützen. Dies mag für eine friedliche Insel wie Runia seltsam erscheinen, doch haben die Runi, die zu einem langlebigen Volk gehören, nicht vergessen, dass es eine Zeit gab, in der sie nur knapp dem Untergang entgangen sind.